Ein runder Geburtstag: Die 10. Willicher Praxistage Geothermie

Zum 10. Mal fanden im September 2024 die Willicher Praxistage Geothermie statt. Die Informations- und Fortbildungsveranstaltung zum Thema Oberflächennahe Geothermie ist mittlerweile weit über die Region hinaus bekannt und erfreut sich wachsender Teilnehmendenzahlen. Auch dieses Jahr gab es wieder eine Erdwärmebohrung mit Sondeneinbau und Bohrlochhinterfüllung zu sehen – fast schon ein Markenzeichen der Willicher Praxistage Geothermie!

Die Anfänge der Willicher Praxistage Geothermie

Wir schreiben das Jahr 2015: Die Willicher Praxistage Geothermie entstanden- quasi als ein Nebenprodukt –aus dem Projekt, am Energiezentrum Willich ein Erdwärmesonden-Testfeld zu erstellen. In diesem Testfeld sollten verschiedene Erdwärmesonden und verschiedene Verfüllbaustoffe im laufenden Betrieb verglichen werden können. Hierfür hatte sich ein loses Netzwerk aus Menschen zusammengetan, die für das Thema Oberflächennahe Geothermie brannten: Angehörige von Planungsbüros, Bohrfirmen, dem Geologischen Dienst NRW, auch von Herstellerfirmen für Erdwärmesonden und mehr. Das Projekt wuchs, Idee nach Idee wurde aufgegriffen und eingebaut und auch die Zahl der Mitwirkenden vergrößerte sich, denn einer holte den anderen ins Boot. So kam auch die EnergieAgentur NRW ins Team und verlieh dem Unterfangen Gewicht und eine breite Akzeptanz.

Schnell kam der Gedanke auf, zum Anlass der Errichtung des Erdwärmesonden-Testfeldes einer breiteren interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit zu bieten, sich die Bohrarbeiten und die Erstellung der Erdwärmesonden live anzusehen, denn viele konnten sich damals noch nicht so recht vorstellen, wie das eigentlich abläuft. Ergänzt wurde das Ganze noch durch ein Vortragsprogramm für verschiedene Interessengruppen – und schon stand das Konzept der Willicher Praxistage Geothermie.

Konzept

Entstanden ist eine zweitägige Veranstaltung: an Tag 1 treffen die Vertreter*innen der Unteren Wasserbehörden der Kreise und kreisfreien Städte in NRW zusammen, die für die Erteilung von Genehmigungen für die Erdwärmeanlagen zuständig sind. Sie nutzen die Fortbildungsmöglichkeit und die Gelegenheit zum internen Austausch. Tag 2 bietet Informationen für Privatleute sowie Menschen, die beruflich mit der Geothermie in Berührung kommen: Energieberater*innen, Architekt*innen, Planer*innen und in wachsendem Maß Vertreter*innen von Stadtwerken/Versorgungsbetrieben.
Von Anfang an war seitens der Veranstaltenden ein hoher Praxisbezug gewünscht, wann immer möglich sollten Praxisvorführungen die Thematik veranschaulichen und „begreifbar“ machen. Und so wurden im Lauf der Jahre mehrfach Erdwärmebohrungen live durchgeführt die Live-Installation einer Wärmepumpe und von Niedertemperaturheizkörpern war zu sehen, es gab Demonstrationen von Geothermal Response Tests sowie die Vorführung von Anbindearbeiten.
Neben den Praxisvorführungen greifen die Vorträge praxisbezogene Fragestellungen der verschiedenen Teilnehmendengruppen auf. Wichtiger Bestandteil der Willicher Praxistage Geothermie ist auch die Zeit für Diskussion und Austausch.
Dieses Konzept hat sich bewährt und über die 10 Jahre Bestand gehabt. Im Lauf der Jahre waren auch immer wieder weitere Elemente in die Willicher Praxistage Geothermie eingebunden. So gab es Vorträge zu anderen Fachthemen aus dem Feld der Erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Stromspeichertechnik, außerdem Hausmessen, um die Partner des Energiezentrums Willich zu treffen und sich beraten zu lassen, oder auch die „Lange Nacht der Wärmepumpen“ mit dem Auftritt einer Rock-Band.
In Zeiten der Pandemie wurden die Willicher Praxistage Geothermie 2x online durchgeführt. Hier gab es als zusätzliches Feature eine Online-Geothermie-Sprechstunde und eine Online-Photovoltaik-Sprechstunde, wo die Teilnehmenden einer Runde von Expert*innen ihre Fragen stellen und fundierte Antworten darauf erhalten konnten. Obwohl das Online-Format leider die Möglichkeiten für Praxisvorführungen einengte, erfreute sich die Veranstaltung nichtsdestotrotz einer hohen Teilnehmendenzahl.

Die diesjährigen Willicher Praxistage Geothermie

uch 2024 wurde der Praxisteil der Willicher Praxistage Geothermie wieder großgeschrieben: über beide Tage verteilt fand eine Geothermiebohrung statt mit anschließendem Erdwärmesondeneinbau und Hinterfüllung des Bohrlochs. Bei etwa 70 Teilnehmenden an Tag 1 und etwa 90 an Tag 2 stieß die Veranstaltung wieder auf großes Interesse.

Tag 1. Zu Beginn von Tag 1 stimmte der Leiter des Energiezentrums Willich, Bernd Bremerich-Ranft, die teilnehmenden Vertreter*innen der Genehmigungsbehörden auf das Tagesprogramm ein. Er erläuterte, dass die zu erstellende Erdwärmesonde im Nachgang der Willicher Praxistage Geothermie tatsächlich zu Heizzwecken in Betrieb gehen würde. Nach einem kurzen Besuch auf der Baustelle startete das Vortragsprogramm. Gerd Siebenborn von der Bau-Akademie-Nord schilderte, welche Qualifikationsprozesse das Personal am Bohrgerät durchlaufen muss. Im Anschluss wurde von Joachim Brauner (Sirius e.s.) erklärt, wie Spülungszusätze den Bohrvorgang optimieren können.
Zwischen den Fachvorträgen wechselten die Teilnehmenden immer wieder vom Foyer des Gründerzentrums der Stadt Willich in den Außenbereich, wo die Arbeiten durch die Frolov GmbH durchgeführt wurden. Hier ließen sie sich die Arbeitsschritte in den einzelnen Stadien von Bohrung und Erdwärmesondenerstellung im laufenden Betrieb näherbringen. Der erste Beitrag (Christian Hülsmans, Firma Werner Hein) befasste sich mit dem Einrichten der Baustelle und gab Einblicke zum Thema Arbeitssicherheit.

Es folgte ein Update zum Stand der Dinge bei Digitalisierung und Automation der Anzeige- und Genehmigungsverfahren in NRW durch Stefan Henscheid und Jörn Bittner (Geologischer Dienst NRW) mit Frank Mehlberg (Bezirksregierung Arnsberg).

Nach der Mittagspause ging es auf der Baustelle weiter, wo die Bohrung inzwischen gestartet worden war. Albert Frolov (Frolov GmbH) und Ute Ranft (Geobit Energieprojekte GmbH) erläuterten den Zuschauenden die Abläufe und was bei den Arbeitsschritten zu beachten war.

Im Anschluss stellte Klaus Vogel vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW die Wärmestudie NRW vor mit dem Fokus Geothermie. Er schloss mit dem Fazit, dass in NRW Potenziale erneuerbarer und klimafreundlicher Wärmequellen in ausreichendem Maß vorhanden sind und in deutlich höherem Maß genutzt werden sollten. Hier hob er die Bedeutung des Ausbaus von Wärmenetzen hervor. Es folgte der Beitrag von Clemens Lehr (Geotechnisches Umweltbüro Lehr) zum Monitoring des Kalten Nahwärmenetzes Warendorf.

Den Abschluss von Tag 1 der Willicher Praxistage Geothermie bildete ein weiterer kurzer Baustellenbesuch, wo noch einmal zusammengefasst wurde, was heute erreicht worden war und ein Ausblick auf die bevorstehenden Arbeitsschritte am folgenden Tag 2 gegeben wurde.
Tag 2. Die Veranstaltung begann mit einer Begrüßung durch den Leiter des Energiezentrums Willich Bernd Bremerich-Ranft sowie der Stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Willich Claudia Poetsch. Hierauf begaben sich alle auf die Baustelle und erhielten von Albert Frolov (Frolov GmbH) und Ute Ranft (Geobit Energieprojekte GmbH) einen Rückblick auf die Tätigkeiten am Vortag und Erläuterungen zu den aktuell zu sehenden Arbeitsvorgängen der laufenden Geothermiebohrung.

Wieder zurück im Foyer des Gründerzentrums fasste Sebastian Webers (Stadtwerke Service Meerbusch Willich GmbH& Co. KG) für die Teilnehmenden die Eckpunkte des neuen Gebäude-Energie-Gesetzes zusammen. In den folgenden Beiträgen führte Sven Kersten (Nibe Energy Systems) in die Dimensionierung von Wärmepumpen nach VDI 4645 und VDI 4646 ein und Clemens Lehr vom Geotechnischen Umweltbüro Lehr stellte die Energiezentrale vor, ein System von modularen geothermischen Energieanlagen. Gerald Steinbock (HakaGerodur) lieferte daraufhin Einblicke in die Eigenschaften von Erdwärmesonden und welche Ausführungen für verschiedene Anforderungen entwickelt wurden.
Auf der Baustelle waren inzwischen die Bohrarbeiten abgeschlossen und die Erdwärmesonde konnte eingebaut werden. Dies begleiteten Albert Frolov (Frolov GmbH) und Birgit Alewelt (Geobit Energieprojekte GmbH) mit entsprechenden Erklärungen.

Nach der Mittagspause führte Florian Happ (Firma Johnson Control) in das Themenfeld der Großwärmepumpen für Wärmenetze ein. Nachfolgend fand auf der Baustelle die Bohrlochhinterfüllung statt. Hierzu gewährte Birgit Alewelt (Geobit Energieprojekte GmbH) erläuternde Informationen.

Durch Hubert Graf (Gratec GmbH) folgte eine Ausführung über Alternative Möglichkeiten der Wärmegewinnung aus verschiedenen Quellen. Der Beitrag von Clemens Lehr (Geotechnisches Umweltbüro Lehr) über Geothermische Wasser-Wasser-Anlagen gab Einblicke zu Funktionsweise und Besonderheiten bei der Planung. Damit endeten die 10. Willicher Praxistage Geothermie.

Akzeptanz und Relevanz

Von Anfang an fanden die Willicher Praxistage Geothermie in der Stadt Willich, insbesondere in der Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich eine starke Fürsprecherin. Diese zeigt ein großes Interesse daran, die Bürger*innen zum Themenfeld der Erneuerbaren Energien zu informieren und ermöglicht neben dem Beratungsangebot des Energiezentrums Willich auch die Willicher Praxistage Geothermie. Diese haben sich als Informations- und Fortbildungsveranstaltung in Willich und NRW-weit inzwischen fest etabliert. Viele der Teilnehmenden besuchen die Willicher Praxistage Geothermie mehrfach oder regelmäßig.

Die Teilnehmenden an Tag 1 schätzen neben den praktischen Einblicken und dem Vortragsprogramm sehr den Austausch untereinander sowie mit Geologischem Dienst NRW, Bezirksregierung Arnsberg (Bergbehörde) und Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, die alljährlich mit Beiträgen vertreten sind. Von den 54 Unteren Wasserbehörden in NRW waren über die Jahre bereits 41 zu Gast (76%), mit über 130 Sachbearbeiter*innen.

Für das Publikum an Tag 2 ist von Interesse, sich praxisbezogen zum Thema Oberflächennahe Geothermie zu informieren und fortzubilden. Die Relevanz für die verschiedenen Berufsgruppen spiegelt sich auch in der Anerkennung der Willicher Praxistage Geothermie als Fortbildungsveranstaltung durch die Architektenkammer NRW, die Ingenieurkammer Bau NRW und die Deutsche Energie-Agentur. So erhalten die Besuchenden durch die Teilnahme Fortbildungspunkte bei diesen Institutionen. Für Privatleute, die sich mit dem Gedanken tragen, auf eine erdwärmegekoppelte Wärmepumpe umzusteigen, sind die Willicher Praxistage Geothermie eine Unterstützung bei der Entscheidungsfindung und die Praxisvorführungen tragen dazu bei, besser einzuschätzen, was bei der Umsetzung auf sie zukommt.

In Summe helfen die Willicher Praxistage Geothermie seit 10 Jahren auf mehreren Ebenen, die Kenntnis über die Möglichkeiten der Oberflächennahen Geothermie zu verbreiten, den Austausch darüber zu fördern, die Akzeptanz zu vergrößern und das Vertrauen in diese Zukunftstechnologie zu stärken.

Und so freut sich das Team des Energiezentrums Willich und der Willicher Praxistage Geothermie schon auf die 11. Willicher Praxistage Geothermie im Herbst 2025!

Fotos: ergebe.de (Kontakt: Bernhard Maier-Reiling, info@ergebe.de)

Energiezentrum Willich
Gießerallee 19
47877 Willich
Tel: 02154 814482
info@energiezentrum-willich.de
www.energiezentrum-willich.de

Trägergesellschaft: Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich mbH, Hauptstraße 6, 47877 Willich, Handelsregister Krefeld HRB-Nr. 3118, Geschäftsführer: Willy Kerbusch, Christian Hehnen